Janina Kushtevskaya
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Janina Kuschtewskaja

Tatjana Wassiljewa

Die Welt der Janina Kuschtewskaja

      Janina Kuschtewskajas Werke sagen mir deshalb zu, weil sie der ursprünglichen Bedeutung des russischen Wortes für Malerei živopis' besonders nahekommen: dem Abbilden des Lebendigen. Die Intensität der Erfahrung wird zur Grundlage ihrer Arbeit. Dabei schreckt sie vor dem Geist der großen Bibeltexte mit ihrer zentrifugalen Liebeskraft (Das Hohelied, Die Seligpreisungen) ebenso wenig zurück wie vor der Poesie des Alltags (Moskauer Hinterhöfe), dem Geheimnis (Clair-obscur-Graphik Bäume) und dem Traum. Ihre Bilder rufen die Worte aus André Bretons Manifest ins Gedächtnis zurück: Das Wunderbare ist immer schön, schön ist nur, was auch wunderbar ist.
      
Warum wirkt die junge Frau mit dem Apfel aus dem Hohelied derart faszinierend, warum fällt es einem so schwer, sich ihrem erwartungsvollen Blick zu entziehen? Das Bild weckt den Wunsch, sich immer wieder auf diese unerwartete Schönheit einzulassen. Das wirft nicht zuletzt die Frage nach dem geheimnisvollen Wesen der Kunst als solcher auf. Janina Kuschtewskajas Malerei besticht durch die präzise Kombination von Farbflecken und die harmonische Durchgestaltung der Fläche. Hinzu kommen die Zwischenräume, die Pausen, das Fragmentarische ... Es ist vor allem dieses Unausgeprochene (nicht minder gekonnt ausgeführt, als die Feinstrukturen, Gesichter und Gegenstände!), das die Meisterschaft der russischen Künstlerin verrät. Und eben jene Verschmelzung des Realistischen mit dem bloß Angedeuteten, der graphischen Strenge mit der größtmöglichen Freiheit in der Wahl der Stoffe, der Zurückhaltung und der Sinnlichkeit ist das, was ihre Bilder bemerkenswert macht. Manch eine Maltechnik ist sehr vordergründig, manch eine gibt sich wie bei Janina Kuschtewskaja eher unauffällig. Es ist, als wären ihre Bilder nicht gemalt, sondern gezüchtet. Mal sind sie von ekstatischer Buntheit, mal von asketischer Sparsamkeit geprägt.
        Ihr letzter Zyklus Text als Bild Bild als Text erschließt eine neue gestalterische Sprache. Hier zeigt sich die Suche nach unverbrauchten künstlerischen Ausdrucksmitteln und Ideen. Die Symbiose zwischen der Malerei und den hochkarätigen dichterischen Texten, die ihr als Anstoß dienen, wird zu einer geistigen, beinahe metaphysischen Begegnung. Diese Arbeiten handeln von Menschen, deren tragische Existenzen Rätsel und Fragen in sich bergen.
        Janina Kuschtewskajas Arbeiten sind nicht nur in Rußland, sondern auch in Deutschland bekannt, wo sie bereits zahlreiche Ausstellungen in Museen, Galerien und anderen Zentren für zeitgenössische Kunst hatte. Zwischen Rußland und Deutschland herrscht eine geheimnisvolle Anziehung, sagte Lew Kopelew, zwischen unseren Ländern besteht eine zwar sehr feine, aber doch sehr starke Verbindung. Und diese Fäden, die aus der Vergangenheit in die Gegenwart hineinreichen, vermag kein Tyrann zu zerreißen. Möglicherweise ist Janina Kuschtewskajas Kunst solch ein Bindeglied zwischen den beiden Kulturen.

 
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Janina Kushtevskaya © 2006. Janina Kushtevskaya