Janina Kushtevskaya
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Kunst jenseits der Kunstdebatte

Einige Bemerkungen zum Werk Janina Kuschtewskajas

 

von Alexander Nitzberg

 

«Denn die Russen fordern Zeichen, und die Deutschen fragen nach Weisheit», ließe sich Pau­lus paraphrasieren. «Wir aber predigen Schönheit.»

 

In einer Zeit nämlich, in der sich in Ost und West große Veränderungen ereignen, dürfte es möglich sein, Kunst wieder in ihrer Ursprünglichkeit zu betrachten. Nicht als etwas, das hän­deringend nach neuartigen Techniken sucht. Aber auch nicht als eine Sinngebungsmaschine, die alle Phänomene immer wieder kritisch hinterfragt. Letzten Endes tun beide Blickwinkel der Kunst Gewalt an, instrumentalisieren sie.


Viele russische Künstler kämpfen heute um einen neuen Ausdruck, bemühen sich, nach Jahrzehnten des Sozialistischen Realismus eine Anknüpfung an die einstigen Avantgarden zu finden. Müde all der hehren Bedeutsamkeit der sowjetischen Malerei, nehmen sie Zuflucht zu einem virtuosen Spiel der Formen. Wer sollte es ihnen verübeln?

 

In Deutschland hingegen wird alles Avantgardistische eher mit Skepsis genossen. Exege-ten wie Boris Groys versuchen seit langem, der rein gestalterischen Attitüde der Moderne totalitäre Ideologie zu unterstellen, ja sie nachträglich für alle Miseren des 20. Jahrhunderts verantwortlich zu machen ... Eine gewisse Moralität, ein Bekenntnis zum Humanismus wird hierzulande von den Künstlern stillschweigend vorausgesetzt. Und auch das kann nach den Erfahrungen des Dritten Reiches niemandem übelgenommen werden.

 

Und doch merken beide Seiten nicht, daß sie nur Gefangene desselben Teufelskreises sind. Daß sie Kunst lediglich benutzen, um den eigenen gesellschaftspolitischen Standpunkt mög­lichst raffiniert zu untermauern und seine Richtigkeit zu beweisen. Dabei ließe sich - wieder­um mit einer Paulus-Paraphrase - sagen: "Die Torheit der Kunst ist höher, als die Weisheit der Welt."

 

Torheit das ist Naivität, ein primärer, unverstellter, lebendiger Blick auf die Dinge. Kunst hat nichts zu beweisen. Wie der russische Chansonier Alexander Galitsch singt: "Da hängt ein Bild in seinem Rahmen. Das ist alles, und das ist genug!" Und Alexander Puschkin schreibt in einem Brief an Peter Wjasemskij den berühmten Satz: "Deine Gedichte (...) sind mir zu klug. Die Poesie aber sollte, Gott verzeih mir, töricht sein."

 

Als ein möglicher Schritt hin zu der besagten Ursprünglichkeit erweist sich das Werk der russischen Künstlerin Janina Kuschtewaskaja. Mit ihren Bildern und Graphiken möchte sie gar nicht erst an der tagespolitischen Debatte um Kunst und deren Aufgaben teilnehmen. Sie malt, und das ist genug. Plakative Griffe interessieren sie ebenso wenig wie erzieherische Aussagen. Mit einer sich bewahrten und sich bewahrheitenden Naivität gleitet sie über die Leinwand wie ein tanzender Derwisch.

 

Ja, sie malt gegenständlich, aber muß das sogleich "realistisch" heißen? Es sind ihre be­sondere Farbgebung und die eigenwillige, kreisförmige Anordnung der Objekte, die eher de­korativ, als tatsächlich wirklichkeitsabbildend erscheinen. Überhaupt ist das Wort "Objekt" in diesem Zusammenhang nicht treffend: Die Grenze zwischen der Malenden und dem Gemal­ten wird in Kuschtewskajas Bildern behutsam aufgehoben. Vielleicht ein neuer "magischer Realismus", doch ohne dessen Konstruiertheit und ohne selbst ein "Ismus" zu sein ...

 

Und dann findet sich in ihren Werken keine Spur von Didaktik. Auch dann nicht, wenn sich die Künstlerin Themen widmet, die - wie etwa die Seligpreisungen - oft genug mora­lisch interpretiert wurden und werden. "Wir predigen Schönheit", würde sie auf den mögli­chen Einwand diesbezüglich erwidern. Schönheit, die nach Fjodor Dostojewskis Worten "die Welt retten wird".

 

Eben diese Metaphysik des Schönen wird bei all den Diskussionen über Kunst nur zu gern vergessen. Kein Wunder, denn echte Schönheit läßt läßt sich nicht einspannen. Und sie bedarfkeiner Erklärung: Sie ist eklatant - entweder vorhanden oder nicht vorhanden. Wenn die Be­trachter doch lernen würden, wieder etwas mehr ihren eigenen Augen zu trauen, anstatt sich fremde Theorien anzueignen!

 

In den Bildern von Janina Kuschtewskaja ist sie zweifellos vorhanden. Das macht sie stark, aber auch irgendwie schutzlos. Denn Schönheit hat nichts, was sie verteidigt, außer ihrer selbst. Sie öffnet sich dem, der sie zu sehen vermag und entzieht sich demjenigen, der für sie blind ist. Und doch ist es mit ihr so, wie Puschkin es im Gedicht "Die Schöne" beschreibt:

 

Bei ihrem Anblick wirst du stumm, um

unwillkürlich zu erstarren und voller

Andacht zu verharren in ihrer

Schönheit Heiligtum.

 

 
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Janina Kushtevskaya © 2006. Janina Kushtevskaya