Janina Kushtevskaya
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Aus der Literatur geschopft

Die Frauen auf den Bildern wirken verletzlich, gefangen in einer Aura von Traurigkeit. Aus manchem Blick spricht Hoffnungslosigkeit oder verstörende Melancholie. Nie schauen sie den Betrachter an, die Blicke gehen ins Leere, manchmal sind die Augen geschlossen. Die Körper sind meist nackt und schutzlos, die Haltung gebeugt. Die Darstellungen atmen die Ahnung einer tragischen Existenz.

 

„Die Bilder", sagt Tatjana Kusch­tewskaja, „sind keine Illustration. Aber sie schöpfen aus der Quelle der Literatur". Gemalt hat sie ihre Tochter Janina Kuschtewskaja (29), in Moskau lebende Malerin und Bühnenbildnerin. Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag im Gemeindezentrum Arche der Evangelischen Kirchengemeinde Dorp ist sie eigens nach Solingen gereist. Ihre Mutier, die in Essen als Autorin lebt, übersetzt zwischen Russisch und Deutsch hin und her, da die Tochter nur wenig Deutsch beherrscht. Dabei hat es der Malerin nicht zuletzt die deutsche Literatur angetan und sie zu diesen Bildern inspiriert. Rainer Maria Rilke. Georg Trakl und der Russe Ossip Mandelstam sind die Lieblingsautoren der Russin; Rilke wegen seiner Metaphorik und seiner „Zärtlichkeit" . sagt die Künstlerin.

 

Eine Zärtlichkeit, die sich in den meist in dunklen Farben gehaltenen Bildern widerspiegelt: ein Engel, dessen Flügel aus dunkelgrückende Frau, die wie eine Brosche ein Schneckenhaus trägt. Eines, in das sie sich bereits zurückgezogen zu haben scheint. Die Werke. Ol auf Papier, sind deutlich vom Jugendstil beeinflusst, doch hat janina Kuschtewskaja ihre Malerei vielschichtiger angelegt. Die Bilder sind ebenso wenig Jugendstil, wie sie Illustrationen zu Werken der Literaturgeschichie sind.

 

Stilistisch hatte ihre Ausstellung dennoch gut in die Dorper (Jugend-stil-)Kirche gepasst, die zurzeit wegen Umbauarbeiten geschlossen ist. Dort war die Malerin zuletzt mit Werken zu den Seligpreisungen präsent. Auf Einladung der Kirchengemeinde Dorp ist sie zum dritten Mal mit einer Ausstellung in Solingen. „Der Kirchengemeinde geht es um Kulturfähigkeit", sagt der Dorper Pfarrer Thomas Förster. Es gehe um die Fähigkeit, die Dinge hinter der Oberfläche zu sehen, Dinge, „die sich nicht 1:1 in Begriffe fassen lassen". Denn auch die Bibel bediene sich-sprachlicher-Bilder, um Unbegreifliches begreiflich zu machen.

Unter den 16 Bildern im Vorraum des Gemeindezentrums sind nicht nur die jeweiligen Titel zu lesen, sondern auch die Gedichte, auf die sie sich beziehen. Da wird die Paral­lele augenfällig: Die Lyriklässt nicht weniger Spielraum für Interpreta­tionen als die Bilder.

 

Janina Kuschtewskaja

Geboren 1974 in Lensk (Jakutien / Russland; Besuch einer privaten Kunstschule in Moskau zwischen dem 8. und 14. Lebensjahr; 2002 Abschluss des Kunststudiums an der Moskauer Theaterakademie; Arbeiten für das Theater (Bühnenbild und Kostüme); 1996 mit Pirandellos „Heinrich IV” Gastspiel in Deutschland und Italien; Ausstellungen in Russland, Japan und Deutschland, Janina Kuschtewskaja lebt in Moskau  
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Janina Kushtevskaya © 2006. Janina Kushtevskaya